Bitten um zu lernen, die Welt mit den Augen Gottes zu sehen
Lassen Sie diese Worte einmal kurz auf sich wirken:
„Bittet, und es wird Euch gegeben; sucht, und ihr werdet finden; klopft an, und es wird euch geöffnet. Denn jeder, der bittet, empfängt, und wer sucht, findet, und wer anklopft, dem wird geöffnet. […] Euer Vater im Himmel gibt Gutes denen, die ihn darum bitten.“
Matthäus 7,7-11
Für mich sind diese Worte Jesu atemberaubend. Eine grössere Ermutigung zum Gebet kann ich mir nicht vorstellen. Wir müssen uns eines vor Augen halten: hier lädt der allmächtige Gott persönlich ein, ihn zu bitten. Er, der uns seine ungebrochene Liebe in Jesus Christus gezeigt hat, ermutigt uns, zuversichtlich und vertrauensvoll zu bitten – und er tut das mit dem Versprechen, uns Gutes zu geben. Es braucht einige Augenblicke, diese Aussage in ihrer Tiefe zu erfassen. Man ist versucht zu fragen: „Ist das wirklich so, Jesus? Hast Du hier nicht etwas zu sehr in die Vollen gegriffen?“ Und dann wiederholt es Jesus dreimal: „Bittet! Sucht! Klopft an! Mein Vater liebt Euch, und er gibt Euch Gutes, wenn ihr ihn darum bittet!“ Wow!
Sofort meldet sich innerlich Einspruch: „Geschieht der Wille Gottes nicht sowieso? Warum dann überhaupt beten?“ Jesus hat ja schliesslich ausserdem gesagt: „Euer Vater weiss, was ihr bedürft, ehe ihr ihn bittet!“ Also, warum beten? Eine Antwort, die der Text uns gibt: Gott beteiligt uns im Gebet an seinem Wirken! Ist uns das bewusst? „Gebet bewegt den Arm Gottes“, hat man früher gesagt – genau! Daran hat sich bis heute nichts geändert. Kein einziges Gebet, das aus einem Herzen kommt, das aufrichtig nach Gott und nach seinem Willen fragt, ist ein nutzloses Gebet, das im himmlischen Reisswolf landet. „Wer mag sagen und ermessen, wie viel Heil verloren geht, wenn wir nicht zu ihm uns wenden und ihn suchen im Gebet.“ Gott ist kein starres Prinzip – kein Uhrenwerk, das einfach abläuft und sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt. Gott ist ein „Du!“ Gott ist Person, ein echtes Gegenüber. Er will Beziehung, er lässt sich bitten.
Lassen wir uns von Jesus ermutigen. Gott antwortet. Der Bittende empfängt. Der Suchende findet. Dem Anklopfenden wird geöffnet. Nicht immer so, wie wir es erwarten. Aber nicht, weil Gott weniger liebevoll oder gar weniger mächtig wäre, als wir es dachten. Im Gegenteil: weil er unendlich viel gütiger, liebender, weiser und grösser ist, als wir es uns je vorstellen könnten. Denn eines sagt Jesus auch ganz deutlich: der Vater kann uns nur Gutes geben. Martin Luther brachte es auf den Punkt: „Wenn nicht geschehen wird, was wir wollen, wird geschehen, was besser ist.“ Wie gut ist es, das zu wissen! Dennoch: wir dürfen Gott aus einem aufrichtigen Herzen alles sagen. François Fénelon sagt es so: „Sag Gott deine Sehnsüchte, damit er sie läutern kann.“ Es geschieht also im Gebet etwas eintscheidend wichtiges: Gott arbeitet an uns im Gespräch mit ihm. Salopp ausgedrückt: Manchmal formuliert Gott etwas um. Wie oft habe ich es erlebt, dass ich mit meinen Plänen zu Gott im Gebet gekommen bin, und mit den Plänen Gottes auf dem Herzen wieder aufgestanden bin. Nicht immer sofort. Das ist oft sogar ein längerer Prozess. Es geschieht aber immer etwas: wenn nicht geschieht, was wir wollen, lernen wir, die Welt mehr und mehr mit den Augen Gottes zu sehen und in seinem Willen zu beten. Genial, oder?
Posted by RD